Orgel St. Georg

Disposition:

I. Manual (C-f'''): Bordun 16', Prinzipal 8', Rohrflöte 8', Gemshorn 8', Gamba 8', Oktave 4', Flöte 4', Oktave 2', Mixtur 4fach, Trompete 8'

II. Manual (C-f'''): Geigenprinzipal 8', Lieblich Gedackt 8', Salizional 8', Oktave 4', Waldflöte 2', Oboe 8', Windablass

Pedal (C-d'): Subbaß 16, Oktavbaß 8', Bordun 8', Oktav 4', Posaune 16'

Koppeln:

Manualkoppel, Pedalkoppel (I. Manual/Pedal)

Hilfszüge - als Fußtritte ausgebaut:

II. Manual: Es erklingen Geigenprinzipal 8', Oktave 4' und Waldflöte 2'

I. Manual: Es erklingen Prinzipal 8', Gemshorn 8', Bordun 16'

Kombination I. Manual: Es erklingen per Fußtritt Prinzipal 8', Mixtur 4-fach, Trompete 8', Oktave 2', Bordun 16'.Piano im Pedal: Es erklingen Subbaß 16', Bordun 8'. Der 5. Tritt ist beschriftet mit "Echowerk" (II. Manual, das Werk wird beim Niedertreten des Trittes zum Echowerk).

 

Geschichte und Restaurierung der Orgel

Nach Errichtung der Pfarrkirche St. Georg (ohne Turm) in den Jahren 1820/21 war für die Anschaffung einer Orgel im Kirchenfonds kein Geld mehr vorhanden. Im November 1821 berichtete Pastor Brandt dem Bischfl. Generalvikariat in Hildesheim, daß ein Wohltäter aus der Kirchengemeinde, dessen Name nie genannt werden sollte, „sich geneigt erklärt, derselben fünf Hundert Thaler behufs Aufstellung einer neuen Orgel, welche bislang immer noch gefehlt hat, huldreichst zu schenken". Nach einem Kostenangebot von dem Orgelbauer Friederici waren für eine neue Orgel 1.160 Taler erforderlich. Da er zu keiner Minderung seines Angebotes bereit war, wandte sich Pastor Brandt an den Orgelbauer Bernard Berger in Peine. Dieser bot der Kirchengemeinde die alte Orgel aus der protestantischen Kirche zu Lamspringe für 250 Taler zum Kauf an und verpflichtete sich, im Vertrag vom 3. Juni 1822 für die Summe von 450 Taler in der Kirche zu Itzum eine Orgel „so gut wie neu" zu bauen, unter Benutzung alles dessen, was von der alten Orgel nur immer gebraucht werden kann mit 13 klingenden Stimmen (9 für das Manual und 4 für das Pedal); ferner das alte, fast unbrauchbare Gehäuse nach einem vorzulegenden „Risse" dem Inneren der Kirche entsprechend neu zu schaffen.

Nach mehreren Reparaturmaßnahmen in der Folgezeit wurde die Orgel im Jahre 1878 von der Fa. Furtwängler & Söhne grundlegend überarbeitet und durch ein modernes Konstruktionssystem ausgestaltet. Als opus 158 und vierte Orgel dieser s. Zt. modernen Bauweise wurde ein neues Windladen-System in der Orgel aufgebaut: die Kegellade mit mechanischen Ton- und Register-Trakturen. Unter jeder Pfeife einer Windlade ist ein einschlagendes, kegelförmiges Ventil gesetzt, das von einer Eisenwelle mit Eisenärmchen betätigt wird und den Spielwind direkt und schnell zur Pfeife leitet. Die Last eines bisherigen großen Spielventils wurde nunmehr in der Aufteilung mehrerer kleiner Ventile wesentlich verringert, jedoch wurde das Spielgeräusch durch die Vielzahl einzelner Mechaniken im gleichen Umfang vermehrt. Die Fa. Furtwängler & Söhne löste das Geräuschproblem durch Stahlachsen und massive Messinglager, sowie in Birnbaumholz gelagerte Eisenwellen, deren Drehbewegung mit Torsionsfedern individuell geregelt werden konnte. 1955 wurde eine elektrische Gebläseanlage in die Orgel eingebaut.

1990 wurde eine Generalreinigung und Restaurierung der Orgel durch die Fa. Emil Hammer-Orgelbau, Hannover-Arnum (Nachfolgefirma von Furtwängler & Söhne) vorgenommen. Es wurden alle Mechanikteile funktionssicher hergerichtet, schadhafte Teile instandgesetzt oder erneuert, alle Pfeifen sowie der Spieltisch gründlich überarbeitet, und ein stärkeres Motorgebläse mit geringerer Geräuschbelastung neu eingebaut. Auch wurde das Orgelwerk um eine ursprünglich, jetzt aber nicht mehr vorhandene HW-Trompete 8' sowie um ein Schwellwerk-Echowerk wieder vervollständigt. Zudem erhielt die Orgel in 5 Prospektfeldern klingende Pfeifen aus 75 % Zinn (1 Baß - 2 Tenor - 2 Diskant). Das Pfeifenwerk hat insgesamt 1.047 einzelne Pfeifen aus Holz bzw. Zinn/BleiLegierung.

Aus barocker Zeit (ursprüngliche Orgel) stammen die Register Waldflöte 2', Bordum 8' und Subbaß 16'.

Das romantische Klangempfinden dieser Zeit wurde mit vielen grundtönigen Registern vollzogen: 13 Register stehen in der 16'- und 8 '-Lage. Sie ermöglichen einen vielfach differenzierbaren Klangcharakter, der als Reaktion auf die hellen und kräftigen Barock-Orgeln sich auch heute wieder einer besonderen Beachtung und Wertschätzung erfreut.

Die original erhaltene Furtwängler-Orgel wurde technisch wie klanglich von Grund auf überholt und dem ursprünglichen Werkcharakter wieder zugeführt. Hierdurch besitzt die Pfarrgemeinde Itzum ein wertvolles Zeugnis des vorigen Jahrhunderts zur Darstellung authentischer Musik der Romantik.

Bei der Orgel in St. Georg handelt es sich um eine besondere Orgel - eine richtig gute Orgel aus der Romantik, wie Dr. Mahr, Orgelsachverständiger des Bistums sagt (KIZ 27.12.17). In diesem Zusammenhang ist es nicht unwichtig zu wissen, dass die UNESCO 2017 den Orgelbau und die Orgelmusik in Deutschland in die Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen hat. Die Itzumer St. Georgkirche hat also einen Anteil an dieser bedeutenden Kulturform. (Christian Eickhoff, Josef Schmedding, Nikolaus Winkler)